Die All-in-One-Falle: Warum 'alles können' nicht funktioniert
Brevo, HubSpot, ActiveCampaign – alle versprechen E-Mail, CRM, SMS, Landingpages in einem Tool. Aber Entwickler-Ressourcen sind endlich. Wer alles macht, macht nichts exzellent.
All-in-One. Drei Worte, die in Marketing-Software überall auftauchen. CRM, E-Mail-Marketing, SMS, Chat, Landingpages, Termine – alles in einem Tool. Klingt verlockend. Aber gibt es einen Haken?
| Feature | Spezialist macht es... | All-in-One macht es... |
|---|---|---|
| E-Mail-Zustellung | Exzellent (CSA, dedizierte IPs) | "Ausreichend" (Shared IPs) |
| CRM | Nicht (holt Daten aus externem CRM) | Grundfunktionen |
| SMS-Marketing | Nicht | Vorhanden, aber basic |
| Landingpages | Nicht (nutzt Leadpages, Webflow etc.) | Drag-and-Drop-Builder |
| Preis pro Feature | 100% investiert in das eine | 20% Budget pro Feature |
Was ist die All-in-One-Falle?
Die All-in-One-Falle beschreibt ein Muster bei Marketing-Plattformen:
Das Versprechen: "Du brauchst nur EIN Tool für alles."
Die Realität: Keines der Features ist so gut wie bei einem Spezialisten. Du zahlst für 10 Features, nutzt 3 davon, und diese 3 sind mittelmäßig umgesetzt.
Beispiele für All-in-One-Plattformen:
- Brevo (ehemals Sendinblue) – Details im Brevo-Alternative-Vergleich
- HubSpot
- ActiveCampaign (mit Sales-CRM) – siehe ActiveCampaign Alternative
- Zoho Marketing Hub
Beispiele für Spezialisten:
- KlickTipp (nur E-Mail-Marketing + Automation)
- ConvertKit (Creator-fokussiert)
- Klaviyo (E-Commerce-fokussiert)
Warum Generalisten verlieren
Die Mathematik ist einfach: Entwickler-Ressourcen sind endlich.
Spezialist mit 50 Entwicklern:
- 50 Entwickler arbeiten an E-Mail-Features
- Ergebnis: Tiefe Integration, Nischen-Features, schnelle Updates
All-in-One mit 50 Entwicklern:
- 10 Entwickler für CRM
- 10 Entwickler für E-Mail
- 10 Entwickler für SMS
- 10 Entwickler für Landingpages
- 10 Entwickler für Chat
- Ergebnis: Jedes Feature bekommt 20% der Aufmerksamkeit
Das erklärt, warum Brevo eine tolle Idee ist – bis du versuchst, eine komplexe Automation zu bauen. Dann merkst du: Der Visual Editor ist langsam, Tags sind "nachgerüstet", und die Zustellrate liegt bei 90% statt 99%.
Case Study: Muhammed Bagriacik
Muhammed hatte die Wahl: All-in-One mit allem drin – oder fokussiert auf E-Mail. Er wählte den Spezialisten. 200.000€ Umsatz in 6 Monaten. Ganz ohne Social Media. Nur E-Mail. Ein Tool, das eine Sache exzellent macht, statt zehn Sachen mittelmäßig.
Die versteckten Kosten
All-in-One klingt günstiger. Aber: Wenn dein Newsletter wegen Shared-IP-Problemen im Spam landet, verlierst du 10-30% deiner Öffnungsrate. Das sind bei 5.000 Kontakten 500-1.500 verlorene Leser pro Aussendung. Wie viel kostet DAS?
Wann ist All-in-One sinnvoll?
Es gibt Szenarien, in denen All-in-One funktioniert:
✅ Für Startups ohne Budget:
Du hast 50€/Monat und brauchst irgendwie alles. Brevo Free-Tier als Einstieg, später upgraden.
✅ Für einfache Use Cases:
Du versendest einen monatlichen Newsletter an 500 Kontakte. Keine komplexen Automationen, keine segmentierten Kampagnen. Da reicht "gut genug".
✅ Für Unternehmen mit interner IT:
Du kannst die Schwächen des All-in-One durch eigene Entwicklung kompensieren. API-Anbindungen, Custom-Reporting, Workarounds.
Aber für Coaches, Kursersteller, Infopreneure?
Diese Zielgruppe braucht:
- Komplexe Automationen (Webinar-Funnels, Onboarding-Sequenzen)
- Tiefe Segmentierung (Tags statt Listen)
- Zuverlässige Zustellung (jedes % Öffnungsrate zählt)
- Integration mit Digistore24/Copecart
Das sind genau die Bereiche, in denen All-in-One-Tools schwach sind.
Die "Spezialist + Integrationen"-Strategie
Die Alternative zu All-in-One ist modularer Aufbau:
E-Mail-Marketing: KlickTipp (Spezialist)
Landingpages: Leadpages, Webflow, oder WordPress
Termine: Calendly oder TuCalendi
CRM: HubSpot Free oder Pipedrive
Zahlungen: Digistore24 oder Copecart
Die Verbindung: Direkte API-Integrationen oder Zapier
Vorteile:
- Jedes Tool ist Best-in-Class für seinen Zweck
- Du zahlst nur für Features, die du nutzt
- Bei Problemen wechselst du EIN Tool, nicht alles
Nachteile:
- Mehr Logins (aber: Password-Manager löst das)
- Initial mehr Setup-Aufwand
- Nicht alles in einem Dashboard
Der Kosten-Reality-Check
Spezialist + Integrationen klingt teurer. [Rechnen wir](/tools/newsletter-kosten-rechner/): KlickTipp Standard (47€) + Calendly Free + HubSpot CRM Free + Digistore24 (nur Transaktionsgebühren) = ca. 50€/Monat. Brevo Premium mit vergleichbaren Features (Automation, dedizierte IP, mehr Kontakte)? 58€+ /Monat. Die Kosten sind ähnlich – aber die Qualität nicht.
Brevo konkret: Was kann es, was nicht?
Brevo (ehemals Sendinblue, vorher Newsletter2Go) ist das prominenteste Beispiel für All-in-One im DACH-Markt.
Was Brevo gut kann:
- Einsteigerfreundliche Oberfläche
- Günstiger Einstiegspreis
- SMS-Marketing inkludiert
- Transaktionale E-Mails
Wo Brevo schwächelt:
- Komplexe Automationen sind umständlich
- Shared IPs als Standard → Zustellprobleme
- Tags sind oberflächlich implementiert
- Keine native Digistore24-Integration
- Kein CSA-Zertifikat
Für wen geeignet:
Kleine Unternehmen mit einfachen Anforderungen, die alles in einem Tool wollen und bereit sind, Kompromisse bei der Tiefe zu machen.
Für wen nicht geeignet:
Coaches, Kursersteller, Marketer mit komplexen Funnels, die auf Zustellbarkeit und Automation angewiesen sind.
Fazit: "Gut in allem" heißt "exzellent in nichts"
Die All-in-One-Falle ist keine Verschwörungstheorie. Es ist Produktökonomie:
- Entwickler-Ressourcen sind endlich
- Generalisten verteilen sie auf viele Features
- Spezialisten konzentrieren sie auf eines
Wenn E-Mail-Marketing dein Haupt-Umsatztreiber ist (und bei 80% der Coaches, Trainer, Berater ist es das), dann ist "gut genug" nicht gut genug.
In 6 Monaten wirst du dich fragen, warum du so lange mit einem Tool gearbeitet hast, das alles kann – aber nichts richtig. Die Coaches, die jetzt wechseln, werden dann längst die Ergebnisse sehen: höhere Zustellraten, tiefere Segmentierung, echte Automatisierungen statt Marketing-Spielzeug.
Die Frage ist nicht: "Was kann das Tool?"
Die Frage ist: "Wie GUT kann das Tool, was ICH brauche?"
Simon Haenel
Informatiker & KI-Enthusiast
Informatiker aus Leidenschaft. Auf dieser Seite nutze ich KI, um komplexe Themen verständlich aufzubereiten – recherchiert, strukturiert und auf den Punkt gebracht.
Häufige Fragen: All-in-One vs. Spezialist
Häufige Fragen
Ist Brevo schlecht?
Nein. Brevo ist ein solides All-in-One-Tool für einfache Use Cases. Für monatliche Newsletter, kleine Listen und unkomplizierte Kampagnen funktioniert es. Aber für komplexe Automationen, hohe Zustellraten und den DACH-Markt gibt es bessere Optionen.
Warum ist All-in-One günstiger, wenn es weniger kann?
All-in-One zieht Masse: Viele Nutzer mit kleinen Listen und einfachen Anforderungen. Das Volumen subventioniert die niedrigen Preise. Für Power-User wird es teuer – oder du stößt an Grenzen, die kein Preisplan löst.
Kann ich von Brevo zu KlickTipp wechseln?
Ja. Export deiner Kontakte, Import mit Tags, Automationen neu aufbauen. Der Aufwand lohnt sich, wenn du auf Zustellbarkeit und komplexe Funnels angewiesen bist. KlickTipp bietet ab Deluxe-Tarif einen kostenfreien Migrationsservice.
Brauche ich wirklich CSA-Zertifizierung?
Im DACH-Raum: Ja. Web.de, GMX und T-Online nutzen CSA-Whitelisting. Ohne Zertifizierung landet ein Teil deiner Mails im Spam – unabhängig davon, wie gut dein Content ist.
Was ist mit HubSpot?
HubSpot ist ein hervorragendes CRM und Sales-Tool. Aber das E-Mail-Marketing ist ein Zusatzfeature, nicht der Kern. Für E-Mail-fokussierte Strategien ist ein Spezialist besser geeignet – und du kannst HubSpot CRM trotzdem parallel nutzen.