Barrierefreiheit im E-Mail Marketing: BFSG-Pflicht, Bußgelder, Checkliste

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist seit Juni 2025 in Kraft. 87% der Unternehmen verstoßen dagegen – in jeder E-Mail. Hier sind die 7 Regeln, die dich schützen, plus eine Checkliste zum Sofort-Prüfen.

· 10 Min. Lesezeit
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Einführung

Transparenz

Rechtliche Informationen basieren auf dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und der EU-Richtlinie 2019/882. Technische Anforderungen aus WCAG 2.1 AA und DDV/Absolit Studie 2025. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links.

Seit Juni 2025 ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Bußgelder bis 100.000€ drohen. Und die Realität laut DDV/Absolit-Studie 2025: Nur 13% der deutschen Unternehmen erfüllen die Barrierefreiheitsanforderungen in ihren E-Mails.

Das bedeutet: 87% aller Unternehmen versenden E-Mails, die potenziell gegen geltendes Recht verstoßen. Jeden Tag. Jede Kampagne.

Barrierefreiheit im E-Mail Marketing ist kein "Nice-to-have" mehr. Es ist Pflicht. Und es ist eine Chance – denn barrierefreie E-Mails performen besser. Für alle Empfänger, nicht nur für Menschen mit Einschränkungen.

Was das BFSG für E-Mail Marketing bedeutet

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt die EU-Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act) in deutsches Recht um. Es betrifft digitale Produkte und Dienstleistungen – einschließlich E-Mail-Kommunikation von Unternehmen.

AspektDetails
In Kraft seit28. Juni 2025
BetrifftUnternehmen mit digitalen Dienstleistungen (B2C)
BußgeldBis zu 100.000€
StandardWCAG 2.1 AA (Web Content Accessibility Guidelines)
DurchsetzungMarktüberwachungsbehörden + Verbraucherschutzverbände

Wer ist betroffen?

  • Unternehmen, die E-Commerce betreiben
  • Dienstleister mit digitalem Kundenkontakt
  • Unternehmen ab 10 Mitarbeitern ODER über 2 Mio. € Jahresumsatz

Wer ist (noch) ausgenommen?

  • Kleinstunternehmen unter 10 Mitarbeitern UND unter 2 Mio. € Umsatz
  • Rein interne Kommunikation

Abmahnrisiko steigt 2026

Verbraucherschutzverbände und Wettbewerbszentralen können bei Verstößen abmahnen. Die ersten Testfälle laufen. Kanzleien spezialisieren sich bereits auf BFSG-Abmahnungen – ähnlich wie bei der [DSGVO](/email-marketing/dsgvo/)-Welle 2018. Wer jetzt handelt, ist geschützt.

Die 7 Regeln für barrierefreie E-Mails

1. Farbkontrast: Mindestens 4,5:1

Nur 29% der deutschen Unternehmen erfüllen die Kontrastanforderungen (DDV/Absolit 2025). Der WCAG 2.1 Standard verlangt:

  • Normaler Text: Mindestens 4,5:1 Kontrastverhältnis
  • Großer Text (ab 18pt): Mindestens 3:1
  • UI-Elemente (Buttons): Mindestens 3:1

Praktisch bedeutet das:

  • Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund? Verboten (Kontrast ~2:1)
  • Dunkelgrau (#333) auf Weiß (#fff)? Erlaubt (Kontrast 12,6:1)
  • Orange Button-Text auf gelbem Hintergrund? Verboten

Tool-Tipp: WebAIM Contrast Checker (kostenlos) prüft deine Farbkombinationen.

2. Alt-Texte für alle Bilder

Screen-Reader-Nutzer können Bilder nicht sehen. Ohne Alt-Text ist das Bild unsichtbar.

Gute Alt-Texte:

  • Beschreiben, WAS auf dem Bild zu sehen ist
  • Sind kurz (unter 125 Zeichen)
  • Vermitteln die FUNKTION des Bildes im Kontext

Beispiele:

  • ❌ `alt=""` (leer)
  • ❌ `alt="Bild"` (nichtssagend)
  • ✅ `alt="Grafik: 42€ ROI pro investiertem Euro im E-Mail Marketing"`
  • ✅ `alt="KlickTipp Dashboard mit Tag-Übersicht"`

Dekorative Bilder (Trennlinien, Hintergründe) erhalten `alt=""` – explizit leer, nicht fehlend.

3. Schriftgröße: Minimum 14px

Kleine Schrift (10px, 12px) ist für viele Menschen schwer lesbar – nicht nur für Sehbehinderte.

ElementMinimumEmpfohlen
Fließtext14px16px
Überschriften18px22-28px
Button-Text14px16px
Footer/Impressum12px14px

4. Logische Lesereihenfolge im HTML

Screen-Reader lesen den HTML-Code von oben nach unten – nicht das visuelle Layout. Wenn dein Template visuell "richtig" aussieht, aber der HTML-Code chaotisch aufgebaut ist, ergibt der Inhalt per Screen-Reader keinen Sinn.

Die Regel: Der HTML-Quellcode muss in einer logischen Reihenfolge stehen:

  1. Überschrift
  2. Einleitung
  3. Hauptinhalt
  4. CTA
  5. Footer

5. Semantische Überschriften (H1-H3)

Verwende echte HTML-Überschriften-Tags (`<h1>`, `<h2>`, `<h3>`), nicht nur visuell vergrößerten Text. Screen-Reader nutzen Überschriften zur Navigation.

  • Eine H1 pro E-Mail (der Haupttitel)
  • H2 für Abschnitte
  • H3 für Unterabschnitte
  • Keine Ebenen überspringen (H1 → H3 ohne H2 ist falsch)

6. Link-Texte müssen verständlich sein

VerbotenErlaubt
"Klick hier""Tarife vergleichen"
"Mehr erfahren""Zum Willkommens-Sequenz-Guide"
"Link""KlickTipp kennenlernen"

Screen-Reader können eine Liste aller Links auf der Seite anzeigen. Wenn jeder Link "Klick hier" heißt, ist das nutzlos.

7. Nicht nur auf Farbe setzen

Fehler und Erfolge dürfen nicht NUR durch Farbe kommuniziert werden. Ein roter Text allein reicht nicht – füge ein Symbol oder Texthinweis hinzu.

  • ❌ Roter Text = Fehler (Farbenblinde sehen kein Rot)
  • ✅ "⚠ Fehler: Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben" (Text + Symbol)

Barrierefreie E-Mails, die ankommen

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Barrierefreiheit verbessert die Performance – für ALLE

Barrierefreiheit ist kein Kompromiss. Barrierefreie E-Mails performen besser:

MaßnahmeBarrierefreiheits-NutzenPerformance-Nutzen
Guter KontrastLesbar für SehbehinderteLesbar auf Smartphones in der Sonne
Große SchriftLesbar ohne LupeHöhere [Leserate](/email-marketing/oeffnungsrate-verbessern/), weniger Abmeldungen
Klare StrukturNavigierbar per Screen-ReaderBessere Scanbarkeit → höhere CTR
Beschreibende LinksVerständlich ohne KontextBessere Klickraten (Nutzer weiß, wohin)
Alt-TexteBilder "lesbar" für BlindeInhalte sichtbar bei blockierten Bildern

Die DDV/Absolit-Studie 2025 zeigt (alle Zahlen im Statistik-Überblick): Unternehmen mit barrierefreien E-Mails haben im Schnitt höhere Engagement-Raten. Logisch – klare Kommunikation hilft jedem.

Checkliste: Barrierefreiheit in 30 Minuten prüfen

Gehe diese Punkte für dein nächstes E-Mail-Template durch:

  • [ ] Kontrast aller Textfarben mindestens 4,5:1?
  • [ ] Alle Bilder haben aussagekräftige Alt-Texte?
  • [ ] Schriftgröße mindestens 14px (Fließtext)?
  • [ ] HTML-Reihenfolge = logische Lesereihenfolge?
  • [ ] Echte Überschriften-Tags (H1, H2, H3)?
  • [ ] Link-Texte beschreibend (nicht "Klick hier")?
  • [ ] Informationen nicht nur über Farbe vermittelt?
  • [ ] Button-Klickfläche mindestens 44x44px?
  • [ ] E-Mail auch ohne Bilder verständlich?
  • [ ] Tabellen nur für tabellarische Daten (nicht für Layout)?

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Fazit: Jetzt handeln, bevor die Abmahnung kommt

87% der Unternehmen verstoßen gegen BFSG-Anforderungen in ihren E-Mails. Die Marktüberwachungsbehörden bauen gerade Kapazitäten auf. Verbraucherschutzverbände bereiten Testfälle vor.

Die Frage ist nicht, ob Abmahnungen kommen. Die Frage ist, wann.

Die gute Nachricht: Barrierefreiheit ist kein Hexenwerk. Die 7 Regeln oben lassen sich in wenigen Stunden umsetzen – am besten direkt beim Newsletter erstellen. Und der Lohn ist doppelt: rechtliche Sicherheit UND bessere Performance.

Häufige Fragen

Muss ich als Einzelunternehmer das BFSG beachten?

Kleinstunternehmen (unter 10 Mitarbeiter UND unter 2 Mio. € Jahresumsatz) sind aktuell ausgenommen. Aber: Die Anforderungen gelten als Best Practice und verbessern deine E-Mail-Performance unabhängig von der Pflicht. Und die Ausnahme kann sich ändern.

Reicht es, mein E-Mail-Template einmal barrierefrei zu machen?

Das Template ist der wichtigste Schritt. Aber auch der Inhalt muss barrierefrei sein: beschreibende Link-Texte, Alt-Texte bei neuen Bildern, ausreichender Kontrast bei individuellen Farben. Erstelle eine Checkliste für jede Aussendung.

Welche Tools prüfen Barrierefreiheit in E-Mails?

WebAIM Contrast Checker (Farben), WAVE (allgemeine Prüfung), Email on Acid (E-Mail-spezifisch), Litmus Accessibility Check. Für den Schnelltest: Die Checkliste oben durchgehen reicht für die wichtigsten Punkte.

Was passiert bei einem BFSG-Verstoß?

Marktüberwachungsbehörden können Bußgelder bis 100.000€ verhängen. Zusätzlich können Verbraucherschutzverbände Unterlassungsklagen einreichen. Die Behörden agieren aktuell noch zurückhaltend, aber die Durchsetzung wird 2026 zunehmen.

Ist Dark Mode ein Barrierefreiheits-Problem?

Ja. Wenn deine E-Mail im Dark Mode unlesbar wird (weißer Text auf weißem Hintergrund, weil der Client die Farben invertiert), ist das ein Barrierefreiheits-Problem. Teste deine Templates in Dark Mode – die meisten modernen E-Mail-Clients bieten ihn an.

Verbessert Barrierefreiheit wirklich die Öffnungsrate?

Nicht direkt die Öffnungsrate (die hängt vom Betreff ab), aber die Klickrate und Engagement-Rate. Barrierefreie E-Mails sind klarer strukturiert, besser lesbar und haben beschreibendere CTAs – das führt zu mehr Klicks und weniger Abmeldungen.

Simon Haenel

Simon Haenel

Informatiker & KI-Enthusiast

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